KRITIS Leitfaden
Operative Timeline
KRITIS-DachG – wieso weshalb warum
Das KRITIS-Dachgesetz markiert einen Meilenstein in der deutschen Sicherheitspolitik, indem es die europäische CER-Richtlinie (Critical Entity Resilience) in nationales Recht überführt. Während sich frühere Regulierungen primär auf die Cybersicherheit konzentrierten, verfolgt dieses Gesetz einen umfassenden „All-Gefahren-Ansatz“. Ziel ist es, die physische Resilienz kritischer Infrastrukturen gegen Bedrohungen wie Naturkatastrophen, Sabotage, menschliches Versagen oder terroristische Anschläge zu stärken und bundesweit einheitliche Mindeststandards zu etablieren.
Unter der Aufsicht des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) werden Betreiber kritischer Anlagen dazu verpflichtet, nicht nur punktuelle Schutzvorkehrungen zu treffen, sondern ein ganzheitliches Resilienzsystem zu implementieren.
Zentrale Anforderungen an die Betreiber
Das Gesetz rückt die systematische Vorsorge in den Fokus. Betreiber müssen gegenüber dem BBK nachweisen, dass sie über ein systematisch hergeleitetes, verhältnismäßiges und dokumentiertes Resilienzmanagement verfügen. Die Kernanforderungen gliedern sich in drei wesentliche Säulen:
Risikoanalysen: Betreiber müssen regelmäßig fundierte Analysen durchführen, um potenzielle Schwachstellen und Bedrohungsszenarien für ihre spezifischen Anlagen zu identifizieren.
Resilienzpläne: Auf Basis der Risikoanalysen sind detaillierte Pläne zu erstellen, die sowohl präventive Maßnahmen als auch Reaktionsstrategien für den Ernstfall festlegen.
Physischer Schutz: Es müssen konkrete organisatorische und operative Maßnahmen ergriffen werden, um den physischen Zugang zu schützen und die Betriebskontinuität auch unter widrigen Bedingungen sicherzustellen.
Orientierungshilfen und Standards für die Praxis
Da die Umsetzung dieser Anforderungen hochkomplex ist, dienen verschiedene fachliche Standards als wichtige Leitplanken für die Unternehmen:
DIN SPEC 14027: Dieser Standard ist ein Kernstück der Nationalen Wirtschaftsschutzstrategie 2026. Er definiert spezifische Anforderungen zur Stärkung der physischen Resilienz. Besonders relevant sind hierbei das Kapitel 5 zur Schutzbedarfsermittlung sowie das Kapitel 11 zur Standortsicherheit, die Betreibern helfen, ihre Schutzmaßnahmen präzise zu dimensionieren.
VfS Planungshandbuch: Für die technische Umsetzung der Perimetersicherung bietet das Handbuch des Verbands für Sicherheitstechnik (VfS) im Band „Physische Sicherheit“ praxisnahe Planungsgrundlagen.
VDI Safety & Security Wiki: Als ergänzendes Wissensmanagement-Tool fungiert das Wiki des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) wie ein Fachlexikon, das Begriffe und Konzepte der physischen Sicherheit im KRITIS-Kontext anschaulich erläutert.
Wir haben unseren Leitfaden für Sie systematisch strukturiert:
Der Weg zur Initial Compliance
Teil 1: Die ersten Schritte und gesetzlichen Fristen nach dem Inkrafttreten.
Identifikation, ob man als Betreiber kritischer Anlagen oberhalb der Schwellenwerte gilt. Ziel ist die Bewertung der eigenen Betroffenheit und das Verständnis relevanter Anforderungen.
Die Meldung der Anlage muss innerhalb von drei Monaten erfolgen. Bestehende Einrichtungen haben hierfür das Zeitfenster vom 17.07.2026 bis zum 17.10.2026
Spätestens neun Monate nach der Registrierung ist die erste systematische Risikoanalyse zu erstellen und dem BBK zu melden. Diese muss Gefährdungen, Verwundbarkeiten und Abhängigkeiten erfassen.
Innerhalb von zehn Monaten nach Registrierung müssen geeignete technische und organisatorische Maßnahmen umgesetzt sein. Diese sind in einem Resilienzplan zu dokumentieren, der als zentrales Prüfungsdokument dient.
Operative Reaktion & Krisenfall
Teil 2: Was passiert im Ernstfall? Die kurzfristigen Pflichten.
Ein erheblicher Vorfall beeinträchtigt die Erbringung einer kritischen Dienstleistung. Resilienz bedeutet hier die Fähigkeit zur Abwehr und Reaktion.
Eine Meldung muss unverzüglich, spätestens 24 Stunden nach Kenntnisnahme, über das gemeinsame Portal von BBK und BSI erfolgen.
Spätestens einen Monat nach der Kenntnisnahme des Vorfalls ist ein detaillierter Bericht mit Angaben zu Ursachen und Auswirkungen einzureichen.
Nach einem meldepflichtigen Ereignis kann das BBK eine Neubewertung der Risiken oder eine Aktualisierung der Dokumentation anordnen.
Nachhaltigkeit & Dauerhafte Resilienz
Teil 3: Der zyklische Prozess und die langfristige Überwachung.
Das Gesetz verlangt ein dauerhaftes und zyklisches Vorgehen statt punktueller Einzelmaßnahmen. Resilienz wird so zur unternehmerischen Selbstverpflichtung.
Risikoanalysen und Risikobewertungen müssen periodisch, mindestens alle vier Jahre, durchgeführt werden.
Der Plan ist bei Bedarf sowie nach jeder neuen Risikobewertung zu aktualisieren.
Die Behörde kann jederzeit Nachweise anfordern, Audits durchführen oder Vor-Ort-Prüfungen vornehmen.
Hilfreiche Ressourcen und Verlinkungen
1. Normen & Standards
▶ DIN SPEC 14027
🔗 Link: Zu DIN Media (DIN SPEC 14027)
User Story: Als Sicherheitsverantwortlicher möchte ich die aktuellen Anforderungen kennen, um meine Organisation gezielt nach fachlichen Orientierungen auszurichten.
- Kriterium: Das Dokument ist beschafft und den zuständigen Planern zugänglich.
- Kriterium: Eine initiale Gap-Analyse (Soll/Ist-Abgleich) der Prozesse wurde durchgeführt.
▶ Nationale Wirtschaftsschutzstrategie
🔗 Link: Zur Nationalen Wirtschaftsschutzstrategie (PDF)
User Story: Als Risikomanager möchte ich die nationale Strategie einbeziehen, um unser Bedrohungsmodell an die aktuelle staatliche Gefährdungslage anzupassen.
- Kriterium: Die Strategie wurde analysiert und relevante Handlungsempfehlungen für das Unternehmen wurden identifiziert.
- Kriterium: Interne Sicherheitskonzepte wurden mit den Zielen der Wirtschaftsschutzstrategie abgeglichen.
▶ VfS FAQ zum KRITIS-Dachgesetz
🔗 Link: Zu den VfS KRITIS-FAQ
User Story: Als Betreiber möchte ich Antworten auf gängige Praxisfragen erhalten, um Unklarheiten bei der Gesetzesauslegung effizient zu beseitigen.
- Kriterium: Die FAQ werden regelmäßig zur Klärung interner Fragestellungen herangezogen.
- Kriterium: Erkenntnisse aus den FAQ fließen direkt in die interne Maßnahmenplanung ein.
▶ Planungshandbuch „Physische Sicherheit“
🔗 Link: Zu den VfS-Publikationen & Handbüchern
User Story: Als technischer Planer möchte ich konkrete bauliche Vorgaben erhalten, um unsere Liegenschaften normgerecht abzusichern.
- Kriterium: Der Band „Perimetersicherung“ liegt der technischen Planungsabteilung vor.
- Kriterium: Aktuelle Schutzmaßnahmen am Perimeter wurden gegen die Empfehlungen des Handbuchs evaluiert.
2. Organisationen & Behörden
▶ BMI (Bundesministerium des Innern und für Heimat)
🔗 Link: Zum BMI: Kritische Infrastrukturen
User Story: Als Compliance-Verantwortlicher möchte ich die strategischen Leitlinien des Ministeriums kennen, um die langfristige Konformität sicherzustellen.
- Kriterium: Strategische Veröffentlichungen des BMI werden im Management-Review berücksichtigt.
- Kriterium: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden kontinuierlich auf Aktualisierungen durch das Ministerium überwacht.
▶ BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe)
🔗 Link: Zum BBK: Kritische Infrastrukturen
User Story: Als Betreiber möchte ich die behördlichen Anforderungen exakt kennen, um eine erfolgreiche Prüfung unserer Resilienzpläne sicherzustellen.
- Kriterium: Die aktuellen Leitfäden des BBK zur Resilienzplanung wurden systematisch gesichtet.
- Kriterium: Ein interner Resilienzplan ist erstellt und orientiert sich strikt an den BBK-Vorgaben.
▶ BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik)
🔗 Link: Zum BSI: Kritische Infrastrukturen
User Story: Als Meldepflichtiger möchte ich das gemeinsame Meldeportal reibungslos bedienen können, damit bei Vorfällen keine wertvolle Zeit verloren geht.
- Kriterium: Zugänge und Rollenberechtigungen für das Meldeportal sind unternehmensweit eingerichtet.
- Kriterium: Die interne 24/7-Meldekette ist definiert und mindestens einmal erfolgreich getestet.
▶ VfS (Verband für Sicherheitstechnik e.V.)
🔗 Link: Zum VfS: Themenschwerpunkt KRITIS
User Story: Als Sicherheitsfachkraft möchte ich mich vernetzen, um von Best Practices des Arbeitskreises KRITIS zu profitieren.
- Kriterium: Orientierungswissen und Publikationen des AK KRITIS werden als Maßstab genutzt.
- Kriterium: Eine Mitgliedschaft oder Entsendung eines Mitarbeiters in den Verband wurde evaluiert.











